Gepostet am 26.08.16

Grüße aus dem Urlaub – eine Kommunikations-Anekdote

Grüße aus dem Urlaub – eine Kommunikations-Anekdote

Ja auch Agenturinhaber machen Urlaub – wohl deutlich weniger als Branchenfremde vermuten würden – aber Erholungsphasen jenseits des Agenturalltags braucht auch der größte „I love my job-Vertreter“. Aber keine Sorge, dieser Blog wird keine Urlaubsgeschichte zur Verärgerung all jener, die gerade statt Urlaubsanekdoten Agenturalltagsgeschichten erleben. Meine Zugfahrt unlängst von der Bundeshauptstadt in den schönen Westen Österreichs veranlasste mich, die Kommunikation unserer täglichen Realität, in Bezug auf die Tücken von face-to-face Kommunikation und Netiquette realer Begegnungen, zu hinterfragen.

Ein sehr gut gefüllter Zug mit den unterschiedlichsten Fahrgästen – vom Aktenkofferträger, über Studenten und Teenager, ihre Mountainbikes nicht aus den Augen lassende Sportler bis hin zur Großfamilie. Alle so unterschiedlich in ihrer Körpersprache, ihrem Auftreten und ihrer zwischenmenschlichen Interaktion – quasi eine Spielwiese für soziale Beobachtungen, derer ich mich nach einer Weile der vorbeiziehenden Landschaft und dem Geschunkel des Waggons allmählich entziehen konnte. Denn auch das gehört zum Urlaub – einfach einmal abschalten. Doch dem sollte nicht lange so sein. Eine den gesamten Waggon beschallende Frauenstimme durchbrach dröhnend meine Ruhesphäre. Sie, außerhalb meiner Sicht, geschätzte Mitte zwanzig, telefonierte, telefonierte laut – sehr laut – und ließ uns alle an ihrem privaten Gespräch teilhaben. Mein erster Gedanke – na gut allzu lange wird beschriebene junge Dame ja wohl nicht telefonieren. Falsch gedacht – selbst die zahlreichen tunnelbedingten Funklöcher schienen sie zu weiteren Telefonaten förmlich anzuspornen und auch die Anzahl der Kontakte, denen sie unbedingt etwas mitteilen wollte, unendlich. Das Kommunikationsverhalten löste bei mir folgende Reaktionskette hervor: Leichte Verärgerung über die Rücksichtlosigkeit, Amüsement über den mageren Inhalt (dieser bestand nämlich einzig und allein aus einem Bejammern und rüpelhaften Schimpfen über den schlechten Empfang im Zug) – deutliche Verärgerung – Hoffnung über ein jähes Ende der Beschallung – wieder Verärgerung – Belustigung – Ortung von Handlungsbedarf. Mit diesen Emotionen war ich offensichtlich nicht alleine, zumindest unter all jenen, die nicht das Glück hatten, ihre Ohren durch Kopfhörer mit vermutlich wohligen Musikklängen schützen zu können. Ich war bis zuletzt nicht sicher, ob sie einfach nicht merkte, dass sie störte oder es beinhart ignorierte. Jedenfalls passierte dann was wohl passieren musste: Ein Fahrgast, Herr mittleren Alters, stand auf, ging zu ihr und unterbrach sie mit erhobener Stimme während eines weiteren Telefonats, dieses nun mit Anja – wer immer auch Anja war – Ergebnis – ein handfester Streit. Die unentwegt Telefonierende empfand es als Frechheit mitten während ihres Gesprächs gestört zu werden. Schließlich mischten sich noch zwei weitere Fahrgäste ein und die Szene endete mit dem Austausch diverser Unfreundlichkeiten – dann war Ruhe.

Bekanntlich, kann man ja nicht nicht kommunizieren, aber man kann im Zug nicht telefonieren und seine Kommunikation rücksichtsvoll an seine Mitmenschen anpassen, man kann Mitmenschen höflich darauf hinweisen sich durch ihr Verhalten gestört zu fühlen und man könnte sogar trotz unterschiedlicher Ansichten zu einem wertschätzendem Gesprächsklima beitragen.

Langer Rede kurzer Sinn – meine Überlegungen, natürlich leichter aus der Rolle einer Beobachterin als einer in den Streit verwickelten – die face-to-face Kommunikation parallel zu allen Social Media Welten, online Plattformen und modernen Kommunikationskanälen bietet wahrscheinlich mehr denn je Tücken und ist und bleibt aber Teil unseres Lebens, ja unserer Gesellschaft. Wo findet man die Netiquette für reale Begegnungen? Wo die Kommentare kritischer Beobachter, die man bei Zustimmung liken kann? Wo die Info über die Cookies unseres Gegenübers? Dieses Erlebnis verdeutlichte mir wieder, dass trotz all der Forschung und gelebten professionellen Kommunikationspraxis, unser Berufsstand tatsächlich wenig Nutzen in alltäglichen persönlichen Kommunikationsbegegnungen stiftet… Und außerdem fahre ich das nächste Mal wieder mit dem Auto, denn die Radiostimmen kann ich nach Belieben einfach ausschalten.

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