Gepostet am 16.01.17

PR oder doch Freunderlwirtschaft

PR oder doch Freunderlwirtschaft

Was haben PR und „Freunderlwirtschaft“ gemeinsam bzw. was unterscheidet gutes Relationship Management von der verrufenen „Freunderlwirtschaft“? Vielleicht sind Begriffe wie Networking oder Beziehungsmanagement bloß die akzeptierten, positiven Bezeichnungen für genau dasselbe.

PR, also Public Relations, kann von der Übersetzung her abgeleitet als Beziehungsmanagement zu Öffentlichkeiten definiert werden, wobei „Öffentlichkeiten“ im modernen PR Verständnis sowohl interne als auch externe Interessensgruppen darstellen. Es steckt also bereits im Namen dieser Disziplin das Wort Beziehung – im Sinne von Beziehungsmanagement. Management ist die Planung, Durchführung und Kontrolle dieser Beziehungen aus betriebswirtschaftlicher Sicht des Begriffs Management.

Wie wird „Freunderlwirtschaft“ eigentlich korrekt definiert? Laut Duden handelt es sich hierbei um ein in Österreich abwertend verwendetes Substantiv, auch Vettern- oder Günstlingswirtschaft, das laut Wikipedia mit dem lateinischen Wort Nepotismus bezeichnet wird und eine übermäßige Vorteilsbeschaffung durch bzw. für Familienmitglieder beschreibt. Nicht dem Usus entsprechende günstige Vertragskonditionen oder auch die Unterlassung notwendiger Prüfungen etc. weil ein Familienangehöriger in einem Unternehmen oder einer Institution eine leitende Position innehat. Das langläufige Verständnis von dem Begriff „Freunderlwirtschaft“, wie der Name schon sagt, geht jedoch über die Bevorteilung von der Familie hinaus und umfasst eben sogenannte Freunde.

Aus der Politik bekannt und verschrien, und sogar zur Erschütterung einer gesamten Branche durch Korruptionsskandale hat die sogenannte Freunderlwirtschaft in der Vergangenheit geführt. Diese machte und macht jedoch auch nicht vor privatwirtschaftlichen Unternehmen halt.

Weg vom Großen zur Betrachtung eines bespielhaften Micro-Umfelds: Ein Brandmanager wählt für eine Kampagne eine Agentur aus. Wer würde nicht lieber einen Auftrag an eine Agentur, die man sympathisch und vertrauenswürdig findet, sprich zu der man einen „guten Draht“ hat bzw. eine gute Beziehungsbasis herrscht, vergeben? Klar entscheiden diese Faktoren bei der Wahl der Geschäftspartner mit – verständlich und notwendig!

Genau darum geht es auch in guten Geschäftsbeziehungen und das ist es auch worum PR in seinem Aktionsumfeld stets bemüht ist, Vertrauen aufzubauen und zu stärken. Siehe hierzu auch die vom PRVA beschriebene Rolle der PR, wo es wortwörtlich heißt: „Ziel ist immer die Verbreitung von wahren Informationen, um auf transparente Art und Weise Vertrauen, Goodwill und Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit aufzubauen und zu pflegen.“ [http://prva.at/berufsbild/rolle-der-pr 03.01.2017]

Networker ist ein Anglizismus für eine Person, die ein Beziehungsnetz aktiv aufbaut und erweitert. [s. Wikipedia] Wir kennen sie alle die zahlreichen Netzwerke und Networking-Events von real bis hin zu den sozialen Netzwerken. Wir kennen sie und wir brauchen sie oftmals zur Realisierung unserer Aufgaben. Klar darf sich keines Falls jemals die Frage nach der Leistung stellen und Transparenz muss stets gewährleistet sein! Jedoch steht es wohl außer Frage, dass man lieber mit jemandem zusammenarbeitet oder jemanden einstellt, dem man „vertraut“ bzw. wie man so schön sagt bei dem man ein gutes Gefühl hat.

Ich schlage keines Falls ein Gutheißen von „Freuderlwirtschaft“ vor. Vielmehr möchte ich auf den sorglosen oder doch berechtigten Einsatz von Beziehungsmanagement und Networks hinweisen und zum Denken anregen. Ich persönlich bin – wäre auch als PR-Treibende nicht anders zu erwarten, der Überzeugung, dass Public Relations und professionelles Beziehungsmanagement ein Must ist. Es ist die Art und Weise wie – nämlich unter Verwendung wahrer Informationen, unter welchen Kontrollmechanismen zur Qualitätssicherung und mit welchem Zweck Beziehungsmanagement betrieben wird das den Unterschied macht und nicht Bezeichnungen, die Positivität oder am anderen Ende der Skala gar Korruption vermuten lassen.